Rede zur Einführung einer 2. IGS im Kreistag Peine am 11.03.2009

(Auszug)

 

Die Vorlage behauptet eingangs, dass die 2. IGS nicht nur wünschenswert, sondern notwendig sei. Das stimmt nicht.

Die Schülerzahlen im Kreis werden von 2010 bis 2018 um 26% sinken. Diese Entwicklung wird nicht hinreichend betrachtet. Gerade hat eine IDW-Studie darauf hingewiesen, dass die Einwohnerzahlen noch stärker zurückgehen werden als bisher schon befürchtet.

Als Grundlagen für die Empfehlung fehlt eine Betrachtung der Schullandschaft bis 2018, insbesondere des Rückganges der Schülerzahlen ab 2011.

Bei Rückgang der Schülerzahlen wie prognostiziert um 35% ergibt sich für die IGS Vöhrum ein Fehlbedarf an Plätzen von nur noch ca. 60! Das begründet keine 2. IGS

Wenn man nicht die Bedarfszahlen von 08 zugrunde legt, sondern die von 07, dann hätte die IGS Vöhrum langfristig sogar eine Überkapazität von 32 Plätzen! Deshalb ist zu klären, ob es sich bei den Anmeldezahlen 08 um einen Ausreißer oder um einen Trend handelt. Dies geht nur, wenn die Anmeldezahlen 09 abgewartet werden.

Da für das Antrags-/Genehmigungsverfahren 9 Monate erforderlich sind (Gutachten, Seite 9), besteht die Möglichkeit, die Entscheidung auf die Ratssitzung im Juni zu verschieben.

Für die Aussage, dass aus der 2. IGS wahrscheinlich mehr als 70 Schüler in die Sek II wechseln wollen werden, fehlt der Beleg.

Es fehlt das Eingeständnis, dass bei den prognostizierten Schülerzahlen die gesetzlich geforderte 5-Zügigkeit spätestens 2017 nicht mehr zu halten sein wird.

Grundlage für die Berechnungen, wie sich die IGS-Schüler nach Schullaufbahnempfehlung zusammensetzen werden, kann nicht die heutige Verteilung auf die Schularten sein, sondern höchstens die Sortierung der IGS-Anmeldungen (2007/2008/2009), siehe Gutachten, S. 30

Das  Argument gegen eine 6-zügige IGS (je mehr IGS-Plätze, umso geringer die Aussicht auf weitere IGS) offenbart die Voreingenommenheit des Autors, dem es nur darum geht, flächendeckend IGS einzurichten.

Die Überlegungen zu einer 3. IGS verschärfen die Bedenken in jeder Hinsicht und sind zurückzuweisen.

Die Aussage, dass die Lengeder Schüler die Abwanderung von der HS und RS Ilsede mehr als ausgleichen würden, deckt sich nicht mit den unterstellten Anmeldezahlen für eine 2. IGS

Die Auswirkungen der Gleichbehandlung von IGS mit dem gegliederten Schulsystem (Stundenkontingente, Abitur nach 12 Jahren, keine automatische volle Ganztagsschule) bleiben unberücksichtigt.

Gegen die Erfahrungen vermehrter Wechsler von Realschule und Gymnasium zur IGS sprechen die neuen Rahmenbedingungen für IGS.

Die Behauptung des angeblichen Vorteils des Abiturs erst nach 13 Jahren wird nach Umstellung auf G8 auch an der IGS gegenstandslos.

Man will einen Sek II-Bereich gleich mit berücksichtigen, obwohl dies derzeit nicht genehmigungsfähig ist. Von der Verwaltung kamen in der Sitzung des Bildungsausschusses am 05.03.09, als es um Kosten ging, ganz andere Aussagen. Woran sollen wir uns nun halten?

Auswirkungen einer 2. IGS auf das Fachgymnasium Technik wie auch auf das Fachgymnasium Wirtschaft werden vernachlässigt.

Entgegen den Vorgaben wird das Gymnasium Ilsede sowohl durch den Rückgang der Schülerzahlen als auch die Abschöpfung bei Einrichtung einer Sek II an der 2. IGS gefährdet.

Massiv gefährdet ist nicht nur die Realschule Wendeburg, sondern auch die in Hohenhameln.

Ebenfalls massiv gefährdet sind die Hauptschulen in Edemissen, Groß Ilsede, Lengede, Vechelde und Wendeburg.

Die Schüler der RS Lengede sind zu 92% für den Erhalt der Realschule. Auch deren Interessen, nicht nur die der IGS-Befürworter, sind zu berücksichtigen. Außerdem sind die Sorgen der Wendeburger um ihr Schulzentrum ernst zu nehmen. Wenn man den Elternwillen als Monstranz vor sich herträgt, muss man den Willen aller Eltern gleichermaßen berücksichtigen und sachlich abwägen.

Die Formulierung „Realschulangebot bzw. Hauptschulangebot zu sichern bzw. weiter zu entwickeln“ ist irreführend, wenn diesen Schulen vorsätzlich die Schüler entzogen werden. Die Kooperation von HS und RS schafft keine zusätzlichen Schüler.

Die Aussagen zu den Standorten Vechelde und Wendeburg widersprechen sich. Es geht entweder die Stärkung des Standortes Vechelde mit Wendeburger Schülern oder die (noch völlig unausgegorenen) Überlegung zur Kooperation HS und RS Wendeburg.

Die 2. IGS zwingt fast überall zur organisatorischen Zusammenfassung von Haupt- und Realschulen, um diese überhaupt noch erhalten zu können.

Das Ziel, bestehende Gymnasien zu sichern, wird mit einer Stauchung auf das Existenzminimum konterkariert. (Gutachten, Seite 20)

Wenn, wie von Herrn Uflerbäumer suggeriert, mit 360 Gymnasiasten 4 Gymnasien betrieben werden sollen, wird diese Schulform nicht mehr in der Lage sein, ein attraktives Angebot (Kursvielfalt) vorzuhalten. Dies würde diese Schulform benachteiligen. Ist das beabsichtigt, um die gewünschte Schulform IGS flächendeckend durchzusetzen?

Die IGS-Vöhrum wird zwangsläufig von der Einrichtung einer 2. IGS betroffen sein, weil Schüler aus dem Kreisgebiet sich dann nicht mehr alle nach Vöhrum orientieren. Dies ist demzufolge näher zu betrachten.

Da die Auswirkungen der Errichtung einer weiteren IGS auf das Schulangebot im Gebiet des Schulträgers darzulegen sind, ist eine kreisweite Elternbefragung zu fordern.

Die Postulierung des qualitativen Aspektes widerspricht der später getroffenen Definition der Einzugsbereiche (Gutachten, Seite 15)

Obwohl festgestellt wurde, dass die Infrage kommenden Kinder diejenigen sind, die heute Klasse 3 oder jünger sind, baut die gesamte Rechnung des Gutachtens auf den heutigen Fünftklässlern auf.

Die Empfehlung an den Schulträger, der IGS ein Budget für Ganztagsangebote zur Verfügung zu stellen, verursacht zusätzliche Kosten. Außerdem ist nicht einzusehen, warum ausgerechnet eine IGS dafür Zuschüsse erhalten sollen.

Die Aussagen zu den Standorten Vechelde und Wendeburg widersprechen sich. Es geht entweder die Stärkung des Standortes Vechelde mit Wendeburger Schülern oder die (noch völlig unausgegorenen) Überlegung zur Kooperation HS und RS Wendeburg.

Die Kriterien für die Untersuchung sind willkürlich vorgegeben, ebenso wie die Einzugsbereiche. Damit fallen mehrere denkbare Alternativen von vornherein heraus (Ilsede, Hohenhameln, Edemissen etc.)

Unter der Prämisse, dass die Kreistagsmehrheit eine 2. IGS durchsetzen will, ist die Elternbefragung notwendig für die die Eltern umfassende Informationen darüber brauchen, um was für eine IGS es geht.

Da die IGS-Vöhrum bisher das gesamte Kreisgebiet abdeckt, sind die Auswirkungen der 2. IGS auf diese zu untersuchen (trotz § 106 NSchG).

Unter Zugrundelegung der Argumentation und Prämissen des Autors ist die Folgerung, 2. IGS nach Lengede zu legen, zutreffend.

Es bleiben aber festzuhalten:
- erheblicher Erweiterungsbedarf (Erweiterungsbau)
- zwei auseinander liegende Teilstandorte
- massiver Widerstand aus der Realschule Lengede

Dem Landkreis die Schulträgerschaft für eine potenzielle 2. IGS zuzuweisen, ist logisch und zwingend. Da anzunehmen ist, dass der Anteil der städtischen Schüler an der IGS-Vöhrum dann steigen wird, ist die Kostenaufteilung für die 1. IGS zwischen Landkreis und Stadt Peine neu zu verhandeln.

 

Der Vorschlag, die HS Lengede schon ab 2010 nach Ilsede zu verlegen, bringt zusätzliche, erhebliche Unruhe (Widerstand der Betroffenen ist sicher) und zusätzlichen Schülertourismus mit Mehrkosten für den Kreis. Zudem widerlegt diese Überlegung die Behauptung des 1. Kreisrates (PN vom 03.03.09), dass die derzeitigen Realschüler nicht betroffen wären.

Die geforderten Realisierungsmöglichkeiten des „besonderen“ Konzeptes, um die Schule in Lengede zu einer Einheit werden zu lassen, sind zu benennen.

Zum Raumbedarf: in Lengede fehlen laut Herrn Uflerbäumer 40 Räume, die Kreisverwaltung hat ein Fehl von 29 Räumen ermittelt. Sind auch die anderen Aussagen von Herrn Uflerbäumer mit Fehlern dieser Größenordnung behaftet? Dann kann man das Gutachten insgesamt A+B zur Entsorgung überantworten.

Fragen: Kosten? Nachhaltigkeit bei zurückgehenden Schülerzahlen?

Bei der Auflistung der Gemeinden im vorgeschlagenen Einzugsbereich der 2. IGS wurden die Lahstedter Einwohner unterschlagen. Auch das ist ein Hinweis auf die Fehlerhaftigkeit der Vorlage.

Die Kosten für den gewaltigen Erweiterungsbedarf sind zumindest überschlägig zu benennen und stellen eine unentbehrliche Entscheidungsgrundlage dar.

Versteckte Notbehelfe (Gutachten: kleine Nebenräume umwidmen) sind klar zu benennen und zu bewerten.

Wenn der Landkreis eine 2. IGS in Lengede errichtet und in Folge dessen der Anteil städtischer Schüler an der IGS in Vöhrum wächst, ist die Kostenverteilung zwischen Landkreis und Stadt neu zu verhandeln.

Zusammenfassende Bewertung:

Die Absicht von Kreistagsmehrheit und Verwaltung, auf Kosten des gegliederten Schulsystems und unter Vernachlässigung der mittelfristigen Entwicklung der Schülerzahlen so viele IGS wie möglich einzurichten, ist erkennbar.

Dazu wird über Mängel der Untersuchung und die Schwächen des Ergebnisses geflissentlich hinweggesehen. Die zu erwartenden Auswirkungen der zukünftigen Gleichbehandlung von IGS mit allen anderen Schulformen werden ignoriert.

Unsere in der Sitzung des Ausschusses für Bildung am 05.03.09 gestellten Fragen und Einwände blieben allesamt unbeantwortet.

Zu den Kosten werden überhaupt keine Aussagen gemacht. Der bloße Hinweis, dass man das noch nicht sagen könnte, verlangt von der Politik einen Blankoscheck. Das ist angesichts der finanziellen Situation des Landkreises unverantwortlich.

Die FDP-Kreistagsfraktion lehnt die Einführung einer 2. IGS im Landkreis Peine ab.