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Die allgemeine Finanzsituation des Landkreises
ist schwierig. Zwar konnte in den vergangenen Jahren die
Verschuldung gebremst werden, aber nur unter günstigen
Rahmenbedingungen. Jetzt in schwierigen Zeiten auf Hilfe von
Land und Bund zu hoffen, ist angesichts derer Finanzlagen naiv.
Unser Handlungsspielraum ist eng, das sollte sich jeder
klarmachen. Deshalb ist es auch die falsche Herangehensweise,
als erstes den Eindruck zu erwecken, dass überall der hohe
Standard gehalten werden kann. Das kann er auf Dauer nicht! Die
SPD-Fraktion wird an ihren heutigen Aussage, auch über Standards
nachdenken zu wollen, ab heute laufend erinnert werden.
Einen Hinweis auf die Ursache unserer Nöte gibt
der Landrat im Vorbericht: „Die Steuerkraft insgesamt liegt im
Landkreis Peine pro Einwohner in den letzten 8 Jahren deutlich
unter dem Landesdurchschnitt.“ Das zu ändern ist der Auftrag. Da
passt es hervorragend in die Landschaft, dass der Kreis Peine
einen ausgezeichneten Ruf hat in der Erschwerung von
Genehmigungsverfahren. Wenn Wirtschaftsbetriebe sich in
Nachbarkreisen ansiedelt, weil es dort leichter ist,
Baugenehmigungen, auch schnell, zu erhalten, wenn Menschen, die
etwas unternehmen wollen, auch von der Politik bedeutet wird,
dass man sie zwar nicht hindern kann, es ihnen aber so schwer
wie möglich machen will, muss man sich nicht wundern.
Es ist auch irreführend, die Schuld für die
finanziell enge Lage des Landkreises bei den Steuerreformen des
Bundes zu suchen. Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz z.B. führt
unter Vernachlässigung der Wachstumseffekte (die man bei 1/3 bis
½ annehmen kann) zu einer Verringerung der
Gewerbesteuereinnahmen von 2%, der Lohn- und Einkommensteuer von
weniger als 0,5% und der Umsatzsteuer von 0,01%. In der Summe
macht das nicht einmal 0,5% der Gemeindeeinnahmen aus. Das
entspricht etwa 250 000 Euro Kreisumlage. Und dies wird sich
erst ab 2011 auf die Einnahmen des Landkreises auswirken. Wie
das ein Jahresdefizit von 15,8 Millionen Euro begründen soll,
soll mir erst einmal jemand vorrechnen.
Als eine Lösung der Probleme auf der
Einnahmeseite wird mit der Erhöhung der Kreisumlage ab 2011
gewunken. Wir haben als Beratungsgrundlage um Vergleichsdaten
der Kommunen bezüglich der Haushaltslage gebeten. Die liegen bis
heute nicht vor. Wir wissen aber, dass es mittlerweile fast
allen Gemeinden im Landkreis richtig schlecht geht, nicht nur
Ilsede und Lahstedt. Auf dieser Grundlage den Finanzplan zu
verabschieden, der eine Erhöhung der Kreisumlage auf sage und
schreibe 60% androht (Vorbericht Seite V5), ist uns nicht
möglich. Und da wir erhebliche Zweifel an der gerechten
Verteilung der Lasten haben, werden wir der Finanzplanung nicht
zustimmen.
41,03 zusätzliche Stellen enthält der Haushalt.
Das ist angesichts des Rekorddefizits von 15 803 700 €
(jahresbezogen) kühn. Auch die Erklärung, dass 14 Stellen davon
aus der Bbg herübergeholt werden, kann uns nicht überzeugen,
zumal meine Fraktion von der Kontrolle über die Bbg
ausgeschlossen ist. Im Übrigen bringt die Übernahme einer
Aufgabe in jedem Fall auch Kosten mit sich.
Herausgreifen möchte ich mir auch die Stelle
Kreisentwicklung, die neu eingerichtet werden soll. Die
Begründung hat uns nicht überzeugt. Es handelt sich um keine
neue Aufgabe, also gibt es auch keine Begründung für eine neue
Stelle. So einfach ist das.
Ausgabenreduzierung hat auch mit Aufgabenkritik
zu tun. Dies ist an einigen Stellen erfolgt, das will ich nicht
leugnen. Da ist aber kein Raum für die Übernahme neuer Aufgaben
bei 15 803 700 € neuer Schulden. Und es ist auch kein Raum für
weitere Anträge auf zusätzliche Stellen, wie sie aus der Politik
gestellt werden.
Wie mit dem Ansinnen umgegangen werden kann,
zusätzliche Stellen einzurichten, zeigt uns die Verwaltung mit
der Vorlage 23/2010. Dort wird argumentiert: „Aus fachlicher
Sicht wäre der Einsatz … wünschenswert.“ Trotzdem „wird aufgrund
der angespannten Haushaltssituation empfohlen, den Antrag für
das Haushaltsjahr 2010 abzulehnen.“ Dem ist dann die Mehrheit im
Ausschuss auch gefolgt. Haben wir den Mut, entscheiden Sie so
auch bei den anderen Anträgen auf Stellenvermehrung.
Aus den genannten Gründen werden wir der Anlage 7
nicht zustimmen.
Schon Mitte November letzten Jahres hat die
Verwaltung Vorschläge gemacht, wo Einsparungen denkbar sind.
Manches davon ist umgesetzt, manches allerdings halbherzig, wie
die Füllhörner Innovationsfonds und Integrationsfonds.
Der Vorschlag, über die Schülerbeförderung
nachzudenken, ist so neu nun auch wieder nicht. Aber langsam
müssen wir Nägel mit Köpfen machen. Ich kann mir vorstellen, die
Entfernungsgrenze nach Alter zu staffeln und eine weitere
Reduzierung der Kartenausgabe im Sommerhalbjahr vorzunehmen. Zu
prüfen sind dabei allerdings die Auswirkungen auf den gesamten
ÖPNV. Das schieben wir schon viel zu lange vor uns her.
Das Haushaltssicherungskonzept verdient seinen
Namen nicht. Das aufgezeigte Volumen von 173 T € macht gerade
einmal 0,07% des Haushaltsvolumens oder 1,1% des jahresbezogenen
Fehlbedarfs aus. Das offenbart die schwierige Lage des
Landkreises, aber auch das Fehlen von Lösungen. Wenn am Anfang
aller Erörterungen die Aussage steht, wir gehen an die Standards
nicht heran, kann auch nicht mehr herauskommen. Deshalb werden
wir der Anlage 10 nicht zustimmen.
Wir verkennen die Schwierigkeiten nicht, in denen
sich der Landkreis mit dem Landrat an der Spitze befindet. Mit
einer Zustimmung zum Haushalt würden wir aber so tun, als ob
alles so weitergehen kann. Das kann es nicht.
Deshalb werden wir den Haushalt ablehnen. |