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Der Haushalt des Landkreises wird endlich nach
den Regeln der Doppik aufgestellt. Das führt zwar zunächst zur
Verwirrung der Kreistagsabgeordneten, weil wir noch schlechter
als im kameralen Haushalt einzelne Inhalte wiederfinden. Wir
haben ein 850 Seiten umfassendes Musterwerk Peiner Bürokunst
vorgelegt bekommen, aber für die politische Debatte ist es
reichlich ungeeignet. Was wir bräuchten, wäre eine vielleicht
dreißig Seiten starke Zusammenfassung der Kosten, die politisch
beeinflusst werden und das Gesamtwerk im Hintergrund für
diejenigen, die in Zahlen verliebt sind.
Aufgrund der Umstellung ist zusätzlich die
Vergleichbarkeit mit den vorherigen Haushaltsbüchern erschwert.
Wir kennen zwar schon seit Jahren Produkte, und im IWB und
anderen Töchtern wird nicht erst jetzt kaufmännisch bilanziert,
aber insgesamt bleibt ein recht großes Maß an Unzufriedenheit
mit dem System. Zu hoffen ist allerdings, dass wir alle bald
nicht nur die Systematik der Doppik verinnerlicht haben werden,
sondern auch die Philosophie der Nachhaltigkeit unserer
Finanzen.
Nun zu den konkreten Feststellungen zum Haushalt.
Erfreulich ist es, dass die günstige
wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands eine Verbesserung der
jahresbezogenen Finanzlage des Kreises gegenüber dem Vorjahr
erwarten lässt. Dies darf aber nicht dazu führen, dass die
Sparsamkeit aufgegeben wird. Die im Fachbereich III durch die
Vorgaben des Bundes notwendig werdenden Kürzungen der
Eingliederungshilfen sollten wir auch als Chance begreifen, die
Strukturen zu hinterfragen und die Maßnahmen zu optimieren.
Der Kreis gibt viel Geld für Schulbauten aus. Der
Grundsatz der Sparsamkeit darf sich dabei nicht auf die
Ausführung beschränken, was ich dem IWB gern attestiere, sondern
auch bei der Grundsatzentscheidung, ob und wie gebaut wird. Bei
Betrachtung der Auslastungsgrade der frisch gebauten Mensen
kommt der Verdacht auf, dass hier manche Million unnötig
ausgegeben wurde. Die erkennbare Idee: „Ich möchte gerne, dass
alle Schüler in der Mensa essen, also baue ich Platz für alle“
zeugt zwar von Sendungsbewusstsein, aber nicht von ökonomischer
Vernunft. Und dass man nicht in der Lage war, eine gemeinsame
Mensa für Silberkamp-Gymnasium und Gunzelin-Realschule zu
errichten, ist auch kein Beweis für Sparsamkeit.
Desweiteren: Als wir an dieser Stelle im März
2009 um die IGS in Lengede gerungen haben, weigerte sich die
Verwaltung, meine Frage nach den Kosten, die dafür auf uns
zukommen, zu beantworten. Mittlerweile wissen wir, dass allein
für Baumaßnahmen mindestens 3 Millionen Euro nötig sind. Jetzt
wird versucht, aus der selbst gestellten Falle durch einen
Antrag auf Ausnahmegenehmigung wieder herauszukommen, obwohl
alle wissen, dass wir die Voraussetzungen dafür nicht erfüllen.
Die Kreisentwicklung kostet uns 78 000 Euro, eine
Ausgabe, deren Berechtigung die Verwaltung erst noch nachweisen
muss. Sprunghafte Strukturänderungen haben die letzten Jahre
gekennzeichnet: Erst wurde 2006 das Referat Verwaltungssteuerung
aufgelöst, dann eine Stellenerweiterung Öffentlichkeitsarbeit
vorgenommen, jetzt gibt es eine neue Stelle Kreisentwicklung.
Sind wir demnächst wieder bei der Struktur von 2005?
Der Kreis hatte ambitionierte Einsparungsziele
bei der Schülerbeförderung. Mit großem Aufwand wurde die
Entfernungsgrenze von 2 auf 3 Kilometer hochgesetzt. Unsere
Forderung, die Auswirkungen auf den ÖPNV vorher zu untersuchen,
wurde wohlwollend ignoriert. Das Ergebnis ist, dass der Kreis
zum Verlustausgleich einen sechsstelligen Betrag an einen
Konzessionsnehmer überweisen muss, der Streit um die 3 Kilometer
viele Eltern verunsichert, verärgert und verprellt hat, und die
tatsächlichen Einsparungen deutlich hinter den Erwartungen
zurück bleiben werden.
Es liegen einige Anträge von SPD und Grünen vor,
die Ausgaben weiter zu erhöhen. Auch wenn es sich nur um relativ
kleine Beträge handelt, sehen wir dafür keinen Spielraum. Auch
die Argumentation, dass Einnahmen aus der Verkehrsüberwachung
verwendet werden sollten oder ein anderer Topf nicht
ausgeschöpft wurde, verschleiert nur unzulänglich, dass Sie hier
eine weitere Vergrößerung der Schulden beantragen.
Es ist schon Tradition, dass die Verwaltung mit
pessimistischen Haushaltsansätzen arbeitet, um höhere
Kreisumlagen besser begründen zu können und am Ende besser da zu
stehen. Dazu ein paar Zahlen aus den Budgetplänen und
Jahresrechnungen:
2005 geplantes Defizit 14,3 Mio, erzieltes
Defizit 8,9 Mio, Verbesserung 5,4 Mio
2006 geplantes Defizit 13,4 Mio, erzieltes Defizit 7,7 Mio,
Verbesserung 5,7 Mio
2007 geplantes Defizit 4,2 Mio, erzielter Überschuss 1,3 Mio,
Verbesserung 5,5 Mio
2008 und 2009 war wegen der unkalkulierbaren Auswirkungen der
Finanzkrise die Ergebnisse ausnahmsweise schlechter als der
Plan.
2010 werden wir wieder etwa 3,8 Mio besser liegen als der Plan.
Das zeigt, dass es bis auf die genannten
Ausnahmejahre am Ende immer deutlich besser aussah als dem
Haushalt zugrunde gelegt. Und so wird es 2011 wohl auch wieder
sein.
In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass
der Landkreis in einer Hinsicht ganz weit vorne steht, nämlich
bei der Höhe der Kreisumlage. Mit Stand heute liegen wir in
Niedersachsen auf dem vierten Platz. Nur Wesermarsch, Osterode
und Lüchow-Dannenberg nehmen ihren Gemeinden mehr ab. Wenn wir
heute auf 58,1% erhöhen, klettern wir auf Platz 2 im Land. Wenn
wir die Drohung des Haushaltssicherungskonzeptes wahrmachen und
2012 die Kreisumlage auf 60% hochtreiben, haben wir es
geschafft. Dann haben wir Platz 1 in Niedersachsen. Wahrlich ein
stolzer Beweis für die Leistungsfähigkeit unseres Landkreises.
Allein deshalb schon können wir dem Haushalt nicht zustimmen.
Die Absicht der drastischen Erhöhung der
Kreisumlage steht leider auch im Gegensatz zu der Aussage, dass
wir gesund und allein gut lebensfähig sind. Es wäre eine
interessante Strategie, die Kreisumlage immer weiter zu erhöhen
bis auf 100% und damit die Fusion zur „Kreisfreie Stadt Peine“
in den Grenzen des Landkreises zu erzwingen. Besser wäre es
allerdings, wenn zum Beispiel die Interkommunale Zusammenarbeit
endlich Früchte tragen würde. Das muss aber ein Geben und Nehmen
sein. Wenn der Landkreis den Gemeinden nur immer mehr Aufgaben
abnehmen will, sträuben sich die Bürgermeister zu Recht. Wir
müssen aufpassen, dass uns das Ganze nicht auf die Füße fällt.
Wir müssen uns mehr strategische Gedanken als bisher über die
Zukunft des Landkreises machen. In 10 Jahren werden wir gewiss
nicht mehr so aussehen wie heute. Jedenfalls ist die Idee
Kreisfreies Peine zwar interessant, für manche auch amüsant,
aber utopisch. Aber wenn wir nicht schnell eigene Ideen
entwickeln, wird der Zug der Zeit über uns hinweg rollen. Mit
dem Slogan „Unser Kreis heißt Peine“ allein bekommen wir die
Zukunft jedenfalls nicht in den Griff.
Die FDP-Fraktion wird den Haushalt ablehnen.
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