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In
den Ausschussberatungen zum Budgethaushalt 2008 gingen wir von
anderen Voraussetzungen aus, als sie sich uns mittlerweile
darstellen. Der am 10.10.07 vorgelegte Haushaltsentwurf sah im
Verwaltungshaushalt ein Plus von 1,4 Mio Euro vor. Das hätte bei
gleich bleibender Tendenz die Hoffnung begründet, im Jahr 2050
schuldenfrei zu sein.
Die dadurch geweckten Begehrlichkeiten mit Anträgen in Höhe von
930 000 Euro verschoben das rechnerische Datum der
Schuldenfreiheit auf 2114. Selbst das ist mittlerweile
Makulatur.
Denn die Verwaltung hat die erwarteten Einnahmen nach unter
korrigieren müssen. Die neuen Zahlen bringen damit eine
drastische Ernüchterung. Jetzt müssen wir von einem Minus von
über 2 Mio Euro für 2008 ausgehen. Das ändert die
Geschäftsgrundlage.
Angesichts dessen sind die zahlreichen ausgabenwirksamen
Änderungsanträge der Mehrheitsgruppe überhaupt nicht mehr zu
halten. So sehr die einzelnen Änderungen im Einzelfall auch
wünschenswert sein mögen, so wenig können wir uns diese
Freigiebigkeit leisten. In manchen Bereichen überschlagen sich
die Vorschläge geradezu. So zum Beispiel die Zuschüsse, die für
die Mittagskost für Schüler bestimmter Bevölkerungsgruppen
beabsichtigt werden, wo Bund, Land und Kreis Geld zu geben
beabsichtigen. Am Ende bekommt jemand noch etwas raus, wenn der
zum Essen geht. Wir müssen aufpassen, des Guten nicht zu viel zu
tun. Selbst in der SPD und bei den Grünen war man, was die
Anreizwirkung solcher Subventionspolitik angeht, schon einmal
weiter. Aber auch auf Bundesebene haben sich Ihre Parteien ja
von dem richtigen Gedanken der Agenda 2010 verabschiedet.
Konjunktur hat wieder diese verhängnisvolle
Umverteilungssehnsucht. Daran ändert sich auch durch das
Feigenblatt von Sperrvermerken grundsätzlich nichts.
Der Landkreis muss ausgabenbewusster vorgehen. Jeder private
Haushalt und jedes Unternehmen würde von wünschenswertem
absehen, wenn die Schuldenlast, wie bei uns, eine Größenordnung
entsprechend 64 Mio Euro betragen würde.
Zudem ist zu bedenken, dass das jahresbezogene Defizit trotz
ausgesprochen günstiger Rahmenbedingungen auftreten wird. Zum
Beispiel die Kreisumlage, aus der der Landkreis 2006 41 Mio Euro
schöpfte, soll 2008 über 56 Mio Euro erbringen. Das entspricht
einer Steigerung um 36 Prozent. Wie soll das erst werden, wenn
sich die konjunkturelle Erholung wieder abschwächt? Wir sind
dafür schlecht aufgestellt.
Neben dem Defizit im Verwaltungshaushalt müssen wir auch einen
Blick auf den Vermögenshaushalt werfen. Dort ist allein im
Kernhaushalt eine Kreditaufnahme von 3,1 Mio Euro vorgesehen.
Unsere umfangreichen Ausgaben für Bauvorhaben, werden auf Pump
finanziert. Bis 2011 sind neue Schulden von über 11 Mio Euro
geplant. 2006 waren wir schon einmal so weit, zur Finanzierung
dieser Bauten die Aktien des Landkreises einzusetzen. Den Willen
dazu kann ich bei der Mehrheit dieses Hauses nicht mehr
erkennen. Lieber werden neue Schulden gemacht und dafür jährlich
wachsende Zinsausgaben vorgenommen. Diese sollen von 2,4 Mio
Euro in diesem Jahr auf 3,8 Mio Euro im Jahr 2011 steigen. Augen
zu und durch darf nicht die Antwort auf diese Herausforderungen
sein. Gesteigerte Ausgabendisziplin ist nach wie vor notwendig.
Dazu muss auch der Personalbereich beitragen. Gemeinsam haben
wir beschlossen, die Zentrale Vergabestelle einzurichten. Dafür
wurden neue Stellen geschaffen, obwohl keine neue Aufgabe
entsteht und die Zusammenfassung der Vergabe in einer Stelle zu
Rationalisierungseffekten führen muss. Deshalb hat meine
Fraktion beantragt, zur Kompensation entsprechende Stellen zu
kennzeichnen, die wegfallen können. Die Ablehnung zeigt, dass
hier ein falsches Denken stattfindet.
Der Landrat möchte, dass wir eine Zielvereinbarung treffen, die
Schulden des Landkreises bis zum Ende der Wahlperiode zu
reduzieren, mindestens aber nicht erhöhen. Wie soll das gehen,
wenn wir es selbst in so günstigen Zeiten wie jetzt nicht fertig
bringen, den Haushalt auszugleichen? Ehrgeizige Ziele erreicht
man nur mit ehrgeizigen Schritten, nicht mit ehrgeizigen Worten.
Insgesamt setzt der Haushalt so, wie er hier zur Abstimmung
vorliegt, die falschen Signale, nämlich die Tendenz „Was kostet
die Welt.“ Das können wir uns nicht leisten. Die zukünftige
Handlungsfähigkeit ist gefährdet.
Es
wird wohl niemand von uns verlangen, dass wir für solch
unsolides Vorgehen die Hand heben.
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