 |
Sehr geehrter Herr
Holger Flöge,
Sie kandidieren am 27. September für den Deutschen Bundestag. Damit wollen Sie
Verantwortung für die Zukunft unseres Landes übernehmen. Das bedeutet vor allem
dafür zu sorgen, dass die Industrienation Deutschland ihren Beitrag zu den
internationalen Klimaschutzbemühungen leistet und dabei hilft, die schlimmsten
Folgen des Klimawandels zu verhindern.
Doch der deutschen Klimapolitik fehlt es an klaren Regeln und sie weist große
Lücken auf. Es fehlt ein transparenter Fahrplan, wie Deutschland seine
Klimaschutzziele erreichen will. Der Bundestag hat in den vergangenen Jahren
zwar zahlreiche für den Klimaschutz wichtige Gesetze verabschiedet. Ein
umfassendes Klimaschutzgesetz, wie es etwa seit 2008 in Großbritannien
existiert, gibt es allerdings nicht.
Die Bundesregierung hat ein Klimaschutzpaket verabschiedet und sich zu einer
Senkung der Treibhausgasemissionen in Deutschland um 40 Prozent bis 2020
verpflichtet. Doch das 40-Prozent-Ziel ist nicht gesetzlich geregelt.
Letztendlich handelt es sich dabei nur um eine rechtlich unverbindliche, rein
politische Absichtserklärung, die von einer neuen Bundesregierung nach der
Bundestagswahl wieder relativiert oder ganz in Frage gestellt werden könnte.
Zudem bleibt völlig unklar, was passiert, wenn das Ziel verfehlt wird. Bisher
fehlt es an einer unabhängigen Instanz, die das Erreichen der Klimaziele
überwacht und die Bundesregierung in der Klimapolitik berät.
Der WWF hat daher den Vorschlag eines Klimaschutzgesetzes gemacht, das diese
dringend notwendige Klarheit in der Klimapolitik bringen würde. Ein solches
Gesetz würde zum einem die Senkung des deutschen Treibhausgasausstoßes um
mindestens 40 Prozent bis 2020 und 95 Prozent bis 2050 im Vergleich zu 1990
gesetzlich verbindlich regeln. Zum anderen würde es durch die Kontrolle einer
Klima-Kommission und Sanktionsmechanismen sicherstellen, dass diese Ziele auch
tatsächlich erreicht werden.
Ich fordere Sie daher auf, sich im Falle Ihrer Wahl in den Deutschen Bundestag
dafür einzusetzen, dass Deutschland ein solches Klimaschutzgesetz verabschiedet.
Bitte teilen Sie mir und dem WWF mit, ob Sie den Vorschlag unterstützen. Der WWF
wird das Ergebnis Ihrer Stellungnahme auf seiner Website veröffentlichen.
Mit freundlich Grüßen
Detlev Eschemann
Sehr
geehrter Herr Eschemann,
Ihre Kritik an der Klimaschutzpolitik der Bundesregierung teile ich
teilweise.
Zwar haben Sie Recht, dass das 40%-Ziel nicht gesetzlich geregelt ist,
allerdings sind die Beschlüsse des Europäischen Rates, die Deutschland
umgesetzt hat, bis 2020 den Ausstoß der Treibhausgase um 20 Prozent
gegenüber 1990 zu reduzieren, ein erster, wenn auch wenig ambitionierter
Schritt. Die FDP hält es für erforderlich und leistbar, in dieser Zeit
um 30% zu reduzieren. Und wir wollen heute schon weiter blicken und
bereits jetzt eine Reduzierung bis 2050 in den Industrieländern um 60
bis 80% vorschreiben.
Dies und vor allem die Umsetzung in erste konkrete Maßnahmen kann
zweckmäßig in einem Gesetz geregelt werden. Allerdings bedarf dies der
ständigen Anpassung an technologische Entwicklungen. Meine Partei hat
ein solches Gesetz in ihrem Deutschlandprogramm zwar nicht ausdrücklich
vorgesehen, ich halte die Forderung aber für wert, in der nächsten
Legislaturperiode auf die Tagesordnung gesetzt zu werden.
Mit freundlichen Grüßen
Holger Flöge
|
|